Für mich ist es gerade kurz nach der Leipziger Buchmesse - wenn diese Rezension also etwas später erscheint, wundert euch nicht - und meine Leselust scheint endlich wieder zu mir zurückgekehrt zu sein. Denn ich habe nicht nur 14 Bücher mit nach Hause gebracht, ich habe das bereits dritte Buch dieses Jahr, welches ich vorstellen möchte. Eine Fortsetzung zu einem Titel von 2024, den ich ebenfalls in Leipzig entdeckte.
Autorin: Sarah Pearse
Buchtitel: Das Retreat
Original-Titel: The Retreat
Jahr der Veröffentlichung: 2022 (UK)/ 2025 (DE, Taschenbuch)
Seitenanzahl: 414 Seiten
Kapitelanzahl: 99 Kapitel (+ Prolog und Epilog)
Verlag: Goldmann Verlag
Serienangaben: 2. Teil der Elin-Warner-Reihe
Ich gebe nicht immer eine zweite Chance an Autoren. Manchmal beeindrucken ihre Bücher mich nicht und ein weiteres zu lesen scheint mir dann nicht günstig, weil man ja ungefähr weiß, was einen erwartet. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich aber auch schon Instanzen hatte, in welchen Buch zwei einen deutlich Sprung nach oben gemacht hat, was die Qualität betrifft. Heute geht es mir ähnlich, auch wenn besagter Anstieg seichter verläuft.
HANDLUNG:
Die Einheimischen nennen die Insel Reaper's Rock – Fels des Sensenmanns. Vor Jahren hatte hier ein Serienkiller eine Gruppe Jugendlicher getötet, und man munkelt, der Ort sei verflucht. Nun wurde hier vor der malerischen Küste Devons ein Öko-Wellness-Retreat eröffnet, das Ruhe und Entspannung verspricht. Nichts deutet noch auf die dunkle Vergangenheit. Bis die Leiche einer jungen Frau auf den Felsen unterhalb des Yoga-Pavillons gefunden wird. Ein Unfall? Doch das Opfer war kein Gast, sie sollte eigentlich gar nicht auf der Insel sein, wie DS Elin Warner erfährt. Am nächsten Tag ertrinkt ein Mann bei einem Tauchunfall, und Elin ahnt, dass es sich nicht um Zufälle handelt. Sie muss den Mörder finden, bevor sich die tödliche Geschichte der Insel wiederholt …
(Klappentext Buchrückseite, Goldmann-Verlag)
FAZIT:
Um einen Vergleich komme ich wahrscheinlich nicht ganz herum, denn wenn ich mir anschaue, was ich über den ersten Band geschrieben habe, fallen mir auf jeden Fall einige Dinge auf. Zum Beispiel hat mich der Handlungsort hier nicht so direkt angesprochen. Die Ästhetik ist eine ganz andere. Buch eins fühlte sich tatsächlich isoliert und gruselig an, hier blieb der Grusel ein wenig zurück und kam nur stellenweise zum tragen. Was jedoch geblieben ist, sind die kurzen Kapitel, die sich gerade gut dafür eignen drei bis fünf davon in der Mittagspause zu lesen. An manchen Stellen hätte ich aber nicht wirklich einen Cut gebraucht; vor allem, wenn es direkt weitergeht. Übergreifend war das Pacing aber okay.
Der Anfang war dieses Mal etwas zäh für mich, ich musste erst reinkommen. Teilweise lag das an Charakteren, die ich schlecht unterscheiden konnte. Denn während die Erzählstimme auf der einen Seite Elin folgt, begleitet sie auf der anderen eine Gruppe, die im Retreat Urlaub macht und deren Mitglieder alle natürlich wichtig für den Plot sind (auch, wenn man das nicht direkt spürt). Apropos Elin: noch immer kämpft die Polizistin mit Selbstzweifeln, die sie bei der Arbeit manchmal behindert. Ich finde aber, dass sie auch beweist, wie fähig sie ist. Ihre Resilienz ist stellenweise schon beeindruckend, vor allem zum Ende. Sonst waren die Figuren ganz gut ausgearbeitet, nachdem die anfängliche Verwirrung nachgelassen hatte und ich die Charakterzüge der Gruppe besser differenzieren konnte. Elin Warners Lebensgefährte Will ist mir noch immer nicht ganz gewogen; zwar scheint er sie zu unterstützen, aber Vorwürfe macht er ihr trotzdem ab und zu, wenn es echt ungünstig ist. An einem Punkt dachte ich mir: verlass den Typen, wenn er mit dem Menschen, der du bist, nicht umgehen kann. Ich muss gestehen wie gespannt ich bin, was auch den beiden noch wird.
Stilistisch bin ich weniger gestolpert, als bei Band eins. Es gab zwar immer noch Stellen, an denen ich mich fragte, wer so redet, aber im Großen und Ganzen war es sehr flüssig. Auch die Länge von ca. 100 Seiten weniger ist eine positive Entwicklung. Es schleichen sich hier und da trotzdem einige weitläufige Beschreibungen ein, die manche Leser vielleicht stören konnten. Durch die Spannung, die sich hier ziemlich gut über das Buch verteilt, kann ich darüber hinwegsehen. Das macht auf Hoffnung für die weiteren Fortsetzungen.
Unser Buchcover zeigt ein Gebäude auf einem grün bewachsenen Fels, der sich über das Meer erhebt. Die Schrift ist dieses Mal grün, sonst gibt es keine nennenswerten visuellen Marker. Der Klappentext ist eher mittelmäßig - ich habe das Buch natürlich gekauft, da ich "Das Sanatorium" gelesen hatte und trotz meiner durchwachsenen Sicht darauf die Fortsetzung lesen wollte. Es gibt sogar ein englisches Cover, welches das gleiche Bild nutzt, nur stärker auf das Gebäude fokussiert. Alternativ gibt es noch ein Design mit einer neuen Inseldarstellung. Da die Handlung auf einer Insel spielt, kann man da wenig aussetzen.
Bewertung:
4/5 - Schreibstil
4/5 - Charaktere
4/5 - Handlung
3/5 - Optik
(15 von 20 Sternen)
Auch, wenn die Wertung es nicht direkt widerspiegelt, ist Band zwei doch eine Entwicklung nach oben; eine kleine aber feine eben. Und ich werde den dritten Teil bestimmt auch noch lesen, obwohl ich beschlossen habe, mir diesen von einer Freundin zu leihen, die ihn besitzt. Sarah Pearse ist nicht schlecht, aber auch nicht atemberaubend. Obere Mittelklasse würde ich mal sagen. Hoffentlich kommen solche kritischen Worte nicht einmal zurück, um mir in den Po zu beißen.
Da ich ja viele neue Titel in meiner Sammlung habe, muss ich nun ganz tief in mich gehen und festlegen, welches Buch ich aus dem viel zu vollen Regal ziehe. Es bleibt spannend.



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