Sunderlands Bücherregal 2/2026

Im vergangenen Jahr habe ich gerade einmal zwei Bücher gelesen – und eines vorgestellt. Deswegen habe ich mir fest vorgenommen 2026 mehr zu lesen, weil ich so viele Titel in meinem Regal habe, die ich super gerne lesen will. Also mache ich das und habe das Jahr mit einem Buch begonnen, dessen Untertitel mich zum Grinsen gebracht hat. Es ist lange her, dass ich durch eine Geschichte so schnell durchgeflogen bin.


Autorin: Freida McFadden
Buchtitel: Die Kollegin
Originaltitel: The Coworker
Jahr der Veröffentlichung: 2023
Seitenanzahl: 284 Seiten
Kapitelanzahl: 61 Kapitel (+ Prolog und Epilog)
Verlag: Heyne-Verlag
Serienangaben: Stand-Alone 


Auf der Leipziger Buchmesse 2025 habe ich in der Schlange an der Kasse eine Frau gesehen, die dieses Buch in der Hand hielt. Durch das rote Cover fiel es mir direkt auf und als ich den Untertitel las (Wer hat sie so sehr gehasst, dass sie sterben musste?) hat mich direkt interessiert. Also habe ich meinen Platz in der Schlange aufgegeben, mir den Titel von nächsten Tisch geschnappt und ihn gleich mitgekauft.

INHALT:
Dawn Schiff ist seltsam. Darin sind sich ihre Kollegen einig. Sie sagt nie das Richtige. Sie hat keine Freunde. Aber sie ist jeden Morgen um Punkt 8:45 Uhr an ihrem Platz in der Firma, in der sie als Buchhalterin arbeitet. Bis sie eines Morgens nicht auftaucht. Dawns Kollegin Natalie Farrell wundert sich. Dann erhält sie einen anonymen Anruf und fährt zu Dawns Wohnung. Keine Spur von ihrer Kollegin. Doch Natalie bietet sich ein Bild des Grauens. Eins scheint bald klar: Jemand muss Dawn so sehr gehasst haben, dass er sie getötet hat. War es jemand aus ihrem Büro? Je mehr Natalie herausfindet, desto tiefer verstrickt sie sich selbst in ein Netz aus Lügen und Gewalt, aus dem es kein Entkommen gibt. (Klappentext Amazon.de)

FAZIT:
Für meinen Geschmack ist dieser Plot wahnsinnig gut gestrickt! Bereits der Klappentext und auch der Anfang des Buches eröffnen den Blick auf eine Oberfläche, die nicht nur angekratzt, sondern durchbrochen wird. Mit jedem Kapitel geht die Story tiefer. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, weil es immer neue, überraschende Wendungen gab - von denen ich einige nie erwartet hätte. Man erhält sehr viele verschiedene Informationen während des Lesens, die teilweise gar nicht so groß erscheinen. Doch sobald man einen gewissen Punkt erreicht, hat jeder noch so kleine Strang eine Rolle in der Offenbarung der Wahrheit. Man bekommt alle paar Seiten einen Schlag ins Gesicht - ein "Oh mein Gott, was?!". Lediglich zum Schauplatz kann ich wenig sagen, da dieser, meiner Meinung nach, nicht wirklich eine Rolle spielt. Diese Story könnte in jeder Stadt in jedem Land geschehen. Das macht sie vielleicht so relatable.

Mit den Figuren hatte ich teilweise meine Schwierigkeiten. Manchmal verhalten sie sich nicht wirklich wie Leute um die 30 (ich bin 32), sondern eher wie Teenager. Impulsiv, unnötig gemein und in manchen Situationen unheimlich dumm. Ich war schon das ein oder andere Mal fassungslos von gewissen Taten oder Aussagen. Ich mag aber davon ausgehen, dass dies Absicht von der Autorin war. Diese Charaktere wurden nicht schlecht geschrieben; sie sind so! Es untermauert, was in der Story alles geschieht. Es zeigt einem auf, dass zwischen all diesen "Erwachsenen" Leute sind, die sich ab einem bestimmten Punkt nicht weiterentwickelt zu haben scheinen.

Stilistisch bin ich zumindest am Anfang zwiegespalten gewesen. Es gab einige Stellen, welche ich anders formuliert hätte. Nun muss ich dazu sagen, dass ich nicht sicher bin, ob ich hierfür die Autorin oder eher die Übersetzerin zur Rechenschaft ziehen muss. Im Endeffekt galt dies wohl auch der Unterstützung zur Charakterbildung und ist Teil des Frameworks. Manchmal kommt halt auch beim Lesen der Schriftsteller in mir raus. Im Endeffekt würde jeder seinen eigenen Weg finden, da bin ich sicher. Je weiter ich aber las, desto weniger stellte ich solche Diskrepanzen fest. McFadden weiß ganz genau, wo sie welchen Cut setzen muss, um den Leser an den Seiten zu halten.

Der Heyne-Verlag hat das Coverdesign der Bücher von Freida McFadden sehr einheitlich gestaltet. Es gibt immer eine Hauptfarbe, die den gesamten Umschlag dominiert und sogar einen passenden Farbschnitt (Einwurf: Ich bin niemand, der wirklich auf Farbschnitte abfährt. Diese kommen eher aus anderen Genres wie YA, Fantasy oder Romance. Vor allem machen auch diese Schnitte das Buch wieder teurer, was ich nicht wirklich begrüße. Unterschied zwischen Buch mit und ohne Farbschnitt ist in diesem speziellen Fall immerhin ein Euro. Ich wünschte mir also eine stärkere Konzentration der Verlage auf den Inhalt und nicht zusehr auf die äußere Aufmachung. Denn ein hübsches Äußeres kann ein schlechtes Buch auch nicht besser machen.). Dieses Buch ist rot, es ist die Silhouette einer Frau vor einem schlecht zu definierenden Hintergrund zu sehen. Natürlich sticht es dadurch hervor. Wie bereits gesagt, hat mich der Untertitel angesprochen und dazu gebracht, den Klappentext zu lesen. Im Original sieht das Cover etwas anders aus; es wird nicht von roter Farbe dominiert, sondern zeigt einen Farbstuhl mit einem verlassenden Damenschuh davor. Und Blutflecken. Wer weiß, ob mir das Buch damit auch aufgefallen wäre - obwohl das Design an sich gut zur Story passt (eine der wichtigen Figuren trägt gerne rote Schuhe mit Absatz).

Bewertung:
4/5 - Schreibstil
4/5 - Charaktere
5/5 - Handlung
5/5 - Optik
(18 von 20 Sternen)

Dieses Buch hat mich überzeugt und ich werde dieses Jahr noch einen weiteren Titel dieser Autorin lesen. Der steht sogar schon in meinem Regal, weil ich ihn zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. Übrigens: Freunde, die mir gute Bücher schenken, sind mir die liebsten Freunde :D. Bevor ich aber wieder zu McFadden greife, möchte ich ein oder zwei andere Bücher aus meinem Regal auswählen, die schon lange darauf warten, von mir durchblättert zu werden.

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