März-Spezial #3: The Lost Reviews - Das Grab ist erst der Anfang

Inzwischen herrscht in meinem Bücherregal eine neue, und vor allem bessere Ordnung. Denn nachdem ich letztes Jahr beim Umstellen festgestellt habe, das ich gelesene Bücher vergessen habe vorzustellen, habe ich mein System verändert. So kann mir das Ganze nicht noch einmal passieren. Obwohl ich die Idee für dieses März-Spezial doch ziemlich gut fand. So wie das folgende Buch.


Autorin: Kathy Reichs
Buchtitel: Das Grab ist erst der Anfang
Original-Titel: 206 Bones
Jahr der Veröffentlichung: 2009
Seitenanzahl: 380 Seiten
Kapitelanzahl: 43 Kapitel
Verlag: Heyne-Verlag
Serienangaben: 12. Teil der Temperance-Brennan-Reihe


Zum ersten Mal in der Hand hatte ich dieses Buch tatsächlich in England - denn damals, als ich 2012 dort war, hatte unsere Gastgeberin Jane die englische Ausgabe mit dem Titel 206 Bones auf dem Nachttisch liegen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, das ich mir selbst kein einziges Buch eingepackt hatte und mich abends doch ein wenig langweilte. So fragte ich, ob ich es mal anlesen könnte. Nachdem ich das erste Kapitel gelesen hatte, musste ich feststellen, das ich noch nicht sicher genug im englischen war. So habe ich das Buch einfach auf meine Liste gesetzt, um es auf deutsch zu lesen. Das habe ich auch getan. Und es dann vergessen, vorzustellen.

HANDLUNG:
Forensikern Tempe Brennan hat einen Feind - und er will sie scheitern sehen. Denn ein anonymer Anrufer beschuldigt die Expertin, in einem Fall Beweise verfälscht zu haben. Natürlich will sie das nicht auf sich sitzen lassen und versucht, den unbekannten zu finden. Als allerdings ein Drohbrief bei ihr eintrifft und Knochen aus ihrem Labor verschwinden, wird ihr bewusst, wie nah ihr der Feind kommen kann. Erst als sie orientierungslos in einem dunklen Raum aufwacht, schafft sie es, hinter das Geheimnis dieses Falls zu kommen.

FAZIT:
Die Figuren sind altbekannt - für jene, die schon mehrere Tempe-Brennan-Romane oder die zugehörigen Rezensionen gelesen haben. Wir haben Tempe und Andrew Ryan, die Kollegen um sie herum und natürlich einen Fall, den es zu lösen gilt. In diesem Roman verbringt Tempe sogar ein wenig Zeit bei der Familie ihres Ex-Mannes Pete, die sie trotz der schwierigen Gegebenheiten zwischen den beiden nett und herzlich aufnehmen. Sogar Ryan wird eingeladen, sich an den gedeckten Tisch zu setzen, was Tempe eigentlich gar nicht so recht ist, denn zwischen ihr und Andrew Ryan liegt das Thema Leutitia brach. Eine schwierige Beziehung.

Was einem in diesem Buch von Anfang an fesselt, ist der Beginn selbst. Tempe ist an einem dunklen Ort, gefesselt und verletzt. Wir fragen uns, wie kommt sie dahin? Der Rest des Buches wechselt die Kapitel in Tempes Gefängnis mit denen ab, in denen sie (mehr oder weniger) die vorangegangenen Ergebnisse Revue passieren lässt. Diese einfache, aber sehr effektive Taktik macht diesen Teil der Reihe zu einem ganz besonderen Page-Turner. Das Sammeln kleiner Spuren und aufmerksame Lesen bringt einen, sowie Tempe auch, Schritt für Schritt zur Lösung.

Auch ihrem bekannten Schreibstil bleibt die Autorin treu und feuert ihre Einwortsätze auf ihr Publikum. Diese Art von fast paced storytelling ist es, die mich ins Boot geholt hat. Schnell und prägnant bekommen wir eine aus Worten geformte Skizze von Orten, Personen und Ereignissen. Aber auch ihre fachlichen Kompetenzen bringen Kathy Reichs viele Punkte, da sie einem die Sachverhalte der Anthropologie, zwar vereinfacht, jedoch ohne herablassende Haltung beschreibt und erklärt. Das war es schon immer, was ihre Bücher neben den tollen Figuren so interessant und auch lesenswert gemacht haben. Dieses hier ist definitiv eines ihrer besseren (so wie Knochen zu Asche das meiner Meinung nach Beste ist) aus der Reihe.

Die Covergestaltungen der Reihe beim Heyne-Verlag sind für mich ziemlich nebensächlich, da ich ja inzwischen weiß, was mich zwischen den Seiten so erwartet. Auch in diesem Fall ist das Cover zwar nett anzusehen, aber für mich nicht weiter von Bedeutung. Der Titel ist viel interessanter, vor allem im englischen. Zwar hat "Das Grab ist erst der Anfang" einen klaren Bezug zur Geschichte - Tempes Gefängnis kann man durchaus als Grab bezeichnen - und dem Fall, aber der englische Titel "206 Bones" hat ein noch besseres Feeling. Der menschliche Körper hat 206 Knochen. Und im Buch gehen welche verloren. Somit ist auch hier der Bezug gut gewählt. Und das englische Cover, das ich für den Blog herausgesucht habe, hat ebenfalls eine Verbindung, die verrate ich aber nicht.

Am Rande will ich erwähnen, das in meinem Buch ein Tippfehler ist - denn dort ist der Titel mit 2006 Bones angegeben. Ich habe das Ganze mit meinem Füller korrigiert.


5/5 - Schreibstil
4/5 - Charaktere
4/5 - Handlung
4/5 - Optik
 (17 von 20 Sternen)


Jetzt, nachdem 7 Jahre vergangen sind (und ich jüngst erneut nach England gereist bin), wird es vielleicht Zeit, mir auch von diesem Buch die englische Ausgabe zu besorgen und das zu beenden, was ich 2012 angefangen habe. Hätte ich das Buch in London irgendwo gesehen, hätte ich es bestimmt mitgenommen. Überraschenderweise habe ich fast keine Buchläden auf meinen Touren gefunden. Seltsam.

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